Ulis Culinaria

Chasselas

Chasselas

Fendant

Gutedel

Vor allem in der heuti-gen Schweiz, aber auch auf den Weinbergen des burgundischen Dörf-chens im Herzen des Mâconnais-Beaujolais soll eine im 16.Jh. aus dem Orient importierte weiße Rebsorte eine erste neue Heimat gefunden haben. Die tatsächliche Herkunft lässt sich nicht mehr sicher klären, es gibt jedoch Hinweise auf eine Nutzung dieser Sorte von Vitis vinifera schon in der griechisch-römischen bzw. der ägyptischen Antike.

Die Chasselas-Trauben werden zu einem erheb-lichen Teil als Tafelobst verwendet. Die Rebsorte bzw. der daraus gekel-terte Wein wird franzö-sischsprachig auch Fendant genannt, im schweizerischen Kanton Wallis ist der Name als →AOC geschützt. Das französische Verb fendre bedeutet aufspalten oder zerspringen und bezieht sich auf die Beeren, die schon bei geringem Druck auf-platzen und das Fruchtfleisch freigeben.

Eine schon alte deutschsprachige Bezeichnung der Chasselas-Rebe lautet Gutedel.

Im Markgräfler-Land am deutsch-franzö-sisch-schweizerischen Länderdreieck wird der Gutedel-Wein noch gepflegt, in anderen deutschen Weinbau-gebieten führt er ein Nischendasein.

Im südwestfranzösischen →Moissac hat die wohlschmeckende Tafeltraube als Chasselas de Moissac sogar →AOP-Status erhalten. Um das Schloss von →Fontainebleau südöstlich von Paris wachsen die goldgelben Trauben als chasselas doré de Fontainebleau. Und nebenan, in →Thomery, hat man für ihr Gedeihen eine spezielle Technik, die méthode à la Thomery, entwickelt. Da der Chasselas ziemlich frühreif ist, gilt er in Frankreich als Referenzwert für die Reife mancher anderen Rebsorte, also x Tage / Wochen vor / nach dem Chasselas.

Von der zentralen Bedeutung des Weinbaus für Chasselas zeugt nicht nur die Abbildung einer vollen Traube im Ortswappen. Am Dorfeingang steht als Denkmalskulptur ein Ochsenkarren, beladen mit vier Weinfässern, der an eine bedeutsame Begebenheit erinnert. Gegen Ende des 17.Jhs. kämpften die Weinbauern des Mâconnais mit enormen Absatzschwierigkeiten. Der Winzer Claude Brosse ergriff die Initiative: Er lud ein paar Fässer Wein auf einen Ochsenkarren und machte sich auf den Weg zum rund 350km entfernten Château de Versailles, wo der Sonnenkönig Louis XIV residierte.

Nach 30 Tagen Reise und einigen Schwierigkeiten am Hof gelang es ihm schließlich doch, dem König seinen Wein zu präsentieren. Dieser war so angetan, dass er Brosse sofort mit regelmäßigen Lieferungen beauftragte, was sich natürlich im gesamten Hofstaat herumsprach und zu erhöhter Nachfrage nach dem Wein aus Chasselas führte. Der bis heute schwelende Streit, ob Claude Brosse selbst nun aus Chasselas oder einem Nachbardorf stammte, erscheint da eher unerheblich.