Ulis Culinaria

Alexander III., Zar

*1845 St.Petersburg, †1894 Krim

Immer wieder hat sich das russische Zarenreich im Lauf seiner langen Geschichte u.a. die baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland einverleibt. Auch Alexander III., 1881 bis 1894 Kaiser von Russland, versuchte, den russischen Einfluss auf die Ostseeländer hoch zu halten.

Aus Anlass eines nicht genauer datierten Besuches in Riga, der lettischen Haupt- und Hansestadt, soll ein Gebäck kreiert worden sein, das bis heute in allen Konditoreien Lettlands als

Aleksander Torte

angeboten wird.

alte russische Banknote

Alexandertorte

Zwei noch ofenwarme Schichten aus Butterteig werden mit Himbeerkonfitüre aufeinandergeklebt, in etwa postkartengroße Rechtecke geschnitten und mit einer zitronigen Zuckerglasur überzogen. Die süße Schnitte wird oft als Dessert serviert, aber auch als eigenständiges Gebäck zur Kaffee- oder Teerunde. Auch anderer Teig wie Biskuit oder Blätterteig kommt zum Einsatz, und schlaue Bäcker schneiden die Portionsstücke schon vor dem Backen, um lästiges Gebrösel zu vermeiden. 

Das relativ einfache Grundrezept lässt natürlich viele Abwandlungen mit Konfitüren aus anderen Früchten oder mit bunten Streuseln und ähnlichem Zierwerk auf der Glasur zu.

Aleksandertorte (Foto: by A7772, wikipedia)

Gelegentlich wird die Erfindung der Alexandertorte, so in deutschsprachigen Backbüchern, auch von Esten oder Litauern sowie von Schweden und Finnen beansprucht, die genauso eng mit der russischen Geschichte verbunden sind. Oder der Zeitpunkt wird in die Epochen der gleichnamigen und ebenfalls zur Dynastie der Romanow-Holstein-Gottorp gehörenden Vorgänger Alexander I. bzw. II. (sein Vater) datiert.

Eindeutige historische Belege gibt es jedenfalls ebenso wenig wie erkennbare Bezüge der Torte zur Person des Zaren. Aber zur glühenden Huldigung eines verehrten Monarchen hat es schon deutlich aufwändigere kulinarische Kreationen gegeben …