Ulis Culinaria

Bakewell

Gleich drei Bäckereien des Ortes im mittelenglischen Derbyshire District streiten darum, wer denn nun den

Bakewell Pudding

nach dem wahren Originalrezept herstelle.

Wie auch immer: Im eigentlichen Sinn handelt es sich eher um eine Kombination aus Gebäck und Pudding. Damit ist hier die auch bei uns als Pudding bezeichnete süße Eier-Milch-Mischung gemeint. Ansonsten wird dafür im Englischen eher der Begriff custard verwendet, auf dem Kontinent auch Englische Creme oder crème anglaise

Zurück zum Bakewell Pudding: Eine Mürbeteig-Pastete wird mit dickem Fruchtgelee gefüllt, mit custard und gehobelten Mandeln bedeckt und überbacken. Das Gelee basiert meist auf Erdbeeren oder anderen roten Früchten. Das Rezept soll um 1820 in Bakewell entstanden sein. Gern erzählte Geschichten von diversen Zufällen und Missgeschicken, die zum schließlich schmackhaften Ergebnis geführt haben sollen, sind zwar historisch nicht belegt, aber sicher (bei Touristen!) verkaufsfördernd. 

Eine besagt, der Küchenjunge eines örtlichen Hotels habe Mitte des 19.Jhs. vergessen, eine Eiermasse wie vorgesehen in einen Teig einzuarbeiten und habe sie dann einfach über die bereits gefüllte Fruchttarte gekippt. Nach einem zweiten Backen habe das Gebäck mit dem gestockten Custard wider Erwarten köstlich geschmeckt.

Von diesem Pudding unterscheiden sich zwei weitere lokale Bäckereiprodukte: Bakewell Tart, ein Tortenboden mit frischen Früchten, und Bakewell Cake, ein variabel gefülltes Mürbeteiggebäck. Einzige Gemeinsamkeit aller drei ist die Verwendung von Mandeln und Früchten.

Sowohl in der Backliteratur als auch auf Speisekarten ist allerdings die Unterscheidung der drei Gebäcke nicht immer so ganz eindeutig.

Hauptsache ist ja aber sowieso, dass man nach dem Genuss zufrieden attestieren kann:

Well baked in Bakewell!

Gut gebacken!

(Sorry, aber das kleine Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen! Der Ortsname hat mit Backen nichts zu tun, sondern leitet sich von einem Familiennamen ab, und der Namensteil well weist im Altenglischen auf eine Quelle hin …)

Im Übrigen bestellt man einen pudding auf den britischen Inseln beim butcher und bekommt eine Wurstspezialität, die sprachlich und metzgereitechnisch mit dem französischen boudin verwandt ist (→Stornoway, Timoleague).