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Königin Margrethe II. von Dänemark

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Nach dem Zweiten Weltkrieg sehnten sich die Menschen verständlicherweise ganz besonders nach schönen Dingen in ihrem direkten Lebensumfeld. Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs sollten nicht nur ihre technische Funktion erfüllen, sondern symbolisch für den Aufbruch in eine moderne und bessere Welt stehen. Unter den Designern, die sich bemühten, mit der Gestaltung von Möbeln, Haushaltsgeräten, Uhren, Autos und vielen anderen Industrieprodukten dieses Bedürfnis zu befriedigen, taten sich besonders Dänen hervor. Der Begriff Dansk Design wurde zum Synonym für ein neues Lebensgefühl. Und der Name des dänischen Designers Jacob Jensen (1926-2015) hat bis heute einen herausragenden Platz in der Welt der schönen Dinge. Jensen ist einer der wenigen Industriedesigner, die mit einer Einzel-Ausstellung im Museum of Modern Art in New York geehrt wurden. Er deckte mit Entwürfen für Möbel, Armbanduhren, Küchensysteme und vieles mehr eine breite Palette an Gebrauchsgütern ab. Am bekanntesten wurde er mit seiner extravaganten Gestaltung der Unterhaltungselektronik-Geräte für die dänische Firma Bang & Olufsen.

Angefangen hatte Jensen 1948 mit einem Studium an der Kongelige Danske Kunstakademi, spezialisierte sich auf Möbeldesign und begann seine berufliche Karriere im Studio Bernadotte & Bjørn Industriedesign in Kopenhagen. Eine seiner ersten Arbeiten war ein Auftrag der dänischen Haushaltswarenfabrik Rosti, die Rührschüsseln auf den Markt bringen wollte, die auch für den Einsatz der neuen elektrisch betriebenen Handrührgeräte geeignet sein sollten. Jensen entwarf 1950 eine Form, die in mehreren Größen ‒ vom Viertel-Liter bis zu vier Litern ‒ platzsparend ineinandergestapelt werden konnte. Als seinerzeit robustetes Material wählte er den Kunststoff Melamin. Der konnte beliebig eingefärbt werden und war im Spritzgussverfahren leicht zu verarbeiten. Das Material hielt den harten Schlägen des Elektrobesens Stand und ließ sich nach Gebrauch gut reinigen. Jensen versah den oberen Rand mit einem handlichen Griff, der wie der kleine Schirm einer umgedrehten Mütze absteht. Gegenüber wölbte er eine kleine Ausgusstülle bzw. eine Schnaupe direkt aus dem Rand heraus. Der einzige Montageschritt bei der Produktion aus einem Guss bestand im Eindrücken einer Gummilitze in den Boden, die den Schüsseln Rutsch- und Standfestigkeit verlieh.

Jensen hatte aber schon hier nicht nur die praktischen Funktionen im Auge. Ihm gelang ein so zeitloses Design, dass die Schüsseln mit leichten Modifikationen bei Form und Material bis heute unter dem Namen Margrethe-Rührschüsseln produziert werden. Einer der Firmengründer von Bernadotte & Bjørn war Sigvard Bernadotte, ein Mitglied des schwedischen Königshauses. 1907 als vierter Spross in der Thronfolge geboren, wurde er von seinem Vater, dem schwedischen König Gustav VI. Adolf, von der Thronfolge und den meisten anderen royalen Rechten ausgeschlossen, da diesem die zwei Scheidungen und Wiederverheiratungen des Sohnes nicht gefielen. 1955, als die von Jensen gestalteten Schüsseln einen verkaufsträchtigen Namen brauchten, erinnerte sich der verstoßene Kronprinz an seine 15-jährige dänische Nichte Margrethe, die Tochter seiner Schwester Ingrid und des dänischen Kronprinzen Frederik. Vielleicht war dem Designer Jacob schon damals das künstlerische Talent aufgefallen, das Margrethe später immer wieder, auch noch nach ihrer Krönung zur Königin Dänemarks im Jahr 1972, mit Gemäldeausstellungen und Buch-Illustrationen an den Tag legte. Besonders aber hatte gerade 1954 die quasi revolutionäre Änderung des dänischen Thronfolgerechts für internationale Bekanntheit des Namens Margrethe gesorgt. Denn die Regel sah nur männliche Thronerben vor. Damit Margrethe als die älteste von drei Töchtern Königin werden konnte, musste das patrilineare Prinzip aufgegeben werden. Dazu wurde das dänische Volk befragt und stimmte zu!

 

Wohl weil der schwedische Cousin nun in Kopenhagen lebte und immerhin zum Renommee des Dansk Design beitrug, erteilte das dänische Königshaus offiziell die Erlaubnis, die Rührschüsseln unter dem Namen der künftigen Königin zu vermarkten. 1997, da feierte Margrethe gerade ihr 25-jähriges Thronjubiläum, brachte die dänische Post sogar eine Briefmarke zu Ehren der Margrethe-Skålen heraus. Ob ihr bis heute anhaltender Erfolg nun ihrem royalen Namen zu verdanken ist oder doch vielleicht eher dem gestalterischen Können von Jacob Jensen ‒ das kann ja nun jeder selbst ausprobieren, der gerade eine feine Creme oder eine andere Köstlichkeit rühren will. Und wer die originalen Margrethe-Schüsseln gerade nicht findet: Es gibt inzwischen unzählige ähnliche, aber halt namenlose Plastik-Schüsseln im Küchenzubehör-Handel. Nur gutes Design wird eben auch immer wieder kopiert!