Ulis Culinaria

Kröllwitz

Die Cröllwitzer Pute

Mitte des 16.Jhs. kam ein für Europa neues Geflügeltier als indisches Huhn aus der Neuen Welt, die Kolumbus ja bekannt-lich bis zu seinem Tod für das gesuchte Indien hielt. Die Pute oder das Truthuhn Meleagris gallopavo, schon in der Prähisto-rie von den Urbewohnern in Nord- und Mittelamerika domes-tiziert, eroberte bald auch deutsche Bauernhöfe wegen ihrer unkomplizierten Haltung, ihrer Robustheit und der guten Fleischausbeute.

Da Kolumbus und viele seiner Zeitgenos-sen glaubten, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben, nannte man den Vogel in Frankreich zunächst poule/coq d’Inde (indische/r Henne/Hahn, →Licques), was sich später zu dinde verschliff, der heutigen französischen Bezeichnung des Truthuhns. 

Die Briten lernten die Vögel erst mit Schiffsladungen aus dem Mittelmeerraum kennen und vermuteten ihre Herkunft in der Türkei. Deshalb heißen sie nun auch in den englischsprachigen Ländern jenes amerikanischen Kontinents, von dem sie ursprünglich stammen, turkey. Die Wege der Sprachen sind wunderbar …!

Der sächsische Ort Kröllwitz, bis 1815 Cröllwitz geschrieben, wurde im Jahr 1900 zu einem Stadtteil von→Halle an der Saale. Zu Beginn des 20.Jhs. entstand in der Ersten staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Geflügelzucht in Halle-Kröllwitz die schwarz-weiß gefiederte Cröllwitzer Pute. Sie ist das Ergebnis einer Kreuzung von belgischen Hähnen mit deutschen Hennen. Allerdings verkümmerte die Rasse fast bis zum Aussterben, da für die Massentierhaltung gezüchtete, auf große Brustmuskel und Keulen getrimmte Hybrid-Puten mehr wirtschaftlichen Ertrag brachten. Deshalb steht die Cröllwitzer Pute nach wie vor als gefährdet auf der Roten Liste der GEH.

In den letzten Jahren haben gestiegenes ökologisches Bewusstsein und Interesse an Fleisch aus artgerechter Haltung wieder zu einer Vermehrung der Bestände geführt. Die gegenüber den Hybridtieren kleinwüchsige Rasse galt wegen des geringen Gewichts (Pute bis 6kg, Puter bis 8kg) als Portionspute, also eine Pute ergibt eine Mahlzeit für die durchschnitt-liche deutsche Familie (in den 1960ern!). Die Cröllwitzer Vögel leben im Freiland von Gräsern, Kräutern, Samen, Insekten, Schnecken und allem, was sie sonst noch bei ihren ergiebigen Ausläufen finden. Diese weitgehend natürliche Ernährung wirkt sich natürlich positiv auf die Fleischqualität aus.