Ulis Culinaria

Beaucaire

Am südlichen Lauf der Rhône, kurz bevor diese sich bei Arles in ihr Mündungsdelta verzweigt, wird seit dem 15. Jh. ein Brot gebacken, das sich aufgrund langen Knetens und eines besonderen Reifungsprozesses des Teiges durch lange Erhaltung seiner knackigen Frische auszeichnet. Das Pain de Beaucaire weist einen weit aufgerissenen Ausbund auf, den der Bäcker vor dem Einschießen der Brote in den Ofen mit einem Längsschnitt in die Oberfläche des Teiges verursacht hat.

Der Ausbund hat bei Brot, Brötchen und artverwandtem Gebäck nicht nur Zierfunktion, sondern verhindert als Sollbruchstelle ein unkontrolliertes Aufreißen des Teiglings, wenn er sich im Ofentrieb aufplustert. Zudem vergrößert er die Oberfläche und damit das knusprig-röstige Kauvergnügen.

Das Beaucairer Brot dürfte auch schon im 17./18.Jh. die unzähligen, von weit her angereisten Kaufleute erfreut haben, die Beaucaire und das auf der anderen Rhôneseite gelegene Tarascon besuchten. Die beiden damals mit einer Ponton-Brücke verbundenen Städte waren bis ins späte 19.Jh. hinein bedeutender Marktplatz und Bindeglied zwischen den 

Mittelmeerhäfen (v.a. Marseille) und den weiter nördlich gelegenen Zentren um Lyon und Paris. Beaucaire ist der nordöstliche Endpunkt des Canal du Rhône à Sète, der eine binnenländische schiffbare Verbindung zu den Salinen der Camargue (→Aigues-Mortes), zum Handelshafen von →Sète und, über den Canal du Midi, bis zum Atlantik bietet.

Im Hafen von Beaucaire am Quai de la Paix, der früher den Handelsschiffen Schutz bot, machen heute Ausflugs- und Freizeitkapitäne fest.