Ulis Culinaria

Bayeux

Die normannische Kleinstadt ist vor allem berühmt wegen der Tapisserie de Bayeux (Teppich von Bayeux), deren Stickereien über 68m Länge die Heldentaten von Guillaume le Conquérant (Wilhelm der Eroberer) bei der Eroberung Englands im Jahr 1066 zeigen und die zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Diesen Rang wird das Porc de Bayeux sicher nicht erringen. Aber immerhin ist es eine von nur noch sieben in französischen Herdbüchern geführten Schweinerassen. Ursprünglich aus einer normannischen und der englischen Berkshire-Rasse gekreuzt, zeichnet sich das weiße, schwarz getüpfelte Bayeux-Schwein durch seine Robustheit aus. Dies ermöglicht ganzjährige Freilandhaltung, was zu besonderer Fleischqualität führt. Zu dieser trägt auch die Fütterung mit Molke bei, die aus den unzähligen normannischen Molkereibetrieben nicht nur im benachbarten →Isigny kommt.

Da nicht zur Massen-Tierhaltung geeignet, existierten irgendwann nur noch wenige Tiere dieser Rasse bei einer Handvoll engagierter Züchter. 

Die Bestände waren zudem, um die Soldaten der alliierten Streitkräfte nach der Landung an der nur wenige Kilometer entfernten Ärmelkanal-Küste am 6.Juni 1944, dem D-Day, verköstigen zu können, fast auf Null geschrumpft.

Heute weiden Bayeux-Schweine immerhin wieder auf den Ländereien von gut 40 Betrieben, das Überleben der Rasse scheint gesichert. Ihr aromatisches Fleisch ist wegen des ausgewogenen Fettanteils auch in der charcuterie gefragt, der Wurstmetzgerei.

Etliche Gastronomen weisen Gerichte auf der Speisekarte auch namentlich mit porc de Bayeux aus, was durchaus als besondere Wertschätzung gesehen werden kann.

Am 6.Juni 1946, genau zwei Jahre nach dem D-Day, hielt Général de Gaulle die als Discours de Bayeux bekannte Rede, in der er seine Vision von einer freien République Française skizzierte. Der Platz, an dem der erste Präsident der 5. Republik auftrat, trägt heute seinen Namen.