Ulis Culinaria

Aylesbury

Aylesbury-Ente - gefährdetes Federvieh

Die Hauptstadt der Grafschaft Buckinghamshire liegt gut 60km nordwestlich von London. Der königliche Schwan von Buckinghamshire ist auch im Stadtwappen von Aylesbury abgebildet. Aber weit darüber, nämlich ganz oben, steht stolz eine weiße Ente.

Und das hat durchaus seinen Grund:

Eine seit dem 18.Jh. hier gezüchtete Rasse des Wasservogels hat sich unter dem Namen

Aylesbury duck / Aylesbury-Ente

einen guten Ruf erworben. Während des Zeitalters der Industrialisierung waren die Vögel vor allem in der Arbeiterschaft als günstig zu haltender Eier- und Fleischlieferant beliebt. Immerhin kann ein Erpel gut 5kg auf die Waage bringen, die Aylesbury gehört damit zu den größeren unter allen Hausenten-Züchtungen.

Inzwischen findet man kaum noch reinrassige Aylesbury-Enten, da sie immer wieder mit anderen Rassen, vor allem mit der →Pekingente, gekreuzt wurden. Erkennbar ist das vor allem am Schnabel: Je mehr Peking-Gene, desto mehr hat das grelle Orange das blasse Rosa des Aylesbury-Schnabels verdrängt. Mit der ebenfalls raren französischen Cousine aus →Bourbourg hat es genetischen Austausch gegeben.

Die →GEH hat die Aylesbury-Ente auf die Liste der Kategorie I (extrem gefährdet) gesetzt. Den wenigen Züchtern, die sich um ihren Erhalt bemühen, gelingt dies nicht zuletzt mit Unterstützung von Gastronomen, die den Vogel wegen seines schmackhaften Fleisches gerne auf ihre Karte setzen.

Im 18./19.Jh. hatten die Arbeiterfamilien in den engen Wohnverhältnissen von Aylesbury zeitweise so viel Entennachwuchs, dass sie ganze Herden in mehrtägigen Fußmärschen nach London führten, um sie dort auf dem Markt zu verkaufen. Offensichtlich wusste man in der Hauptstadt schon damals die gute Fleischqualität zu schätzen.

Erst die 1840 neu eröffnete Bahnlinie ersparte den Enten und ihren Haltern irgendwann den beschwerlichen Marsch.