Ulis Culinaria

Aveiro

Ovos moles - cremige Eigelb-Nascherei

Eine überregional beliebte Nascherei aus dem Ort an der portugiesischen Nordwestküste, gut 50km südlich von Porto, sind die

Ovos moles de Aveiro.

Bis ins 19.Jh. existierten noch etliche Nonnenklöster in Portugal, in Aveiro lebten und arbeiteten bis 1874 Dominikanerinnen im Mosteiro de Jesus (heute städtisches Museum). Zum Stärken ihrer Kutten und Stoffhauben verwendeten sie Eiweiß, sodass an Waschtagen immer reichlich Eidotter übrigblieben. Um diese nicht wegzuwerfen, kochten die Schwestern ein dickflüssiges Zuckersirup und rührten das Eigelb mit etwas Mehl hinein. 

2009 wurden die Ovos moles de Aveiro von der EU als →IGP anerkannt.

Durch kräftiges Aufschlagen entstand eine lockere, schaumige Creme, die nach dem Abkühlen eine puddingartige Konsistenz aufwies. Das Mehl erübrigt sich, wenn der Zucker in Wasser aufgekocht wird, an das zuvor darin gegarter Reis seine Stärke abgegeben hat. Die Menge der so zubereiteten weichen Eier (ovos moles) überstieg den Eigenbedarf der Nonnen, sodass man die süße Masse in diverse Gefäße abfüllte, um mit dem Verkauf die Klosterkasse aufzubessern. Nach der Schließung des Klosters wurde die Tradition von weltlichen Zuckerbäckereien fortgeführt. Heute bekommt man die ovos moles in diversen Behältnissen. Am häufigsten befindet sich die dottergelbe Masse in Hüllen aus Oblatenteig, der im Kloster auch zur Herstellung der Hostien gebraucht wurde. Die weißen, geschlossenen Schalen haben die Form von Muscheln, Meeresschnecken oder Fischen. Als transportfähigere Mitbringsel sind kleine Fässchen aus Holz oder Porzellan beliebt, die mit Motiven aus der Ria de Aveiro bemalt sind, der ausgedehnten Lagunenlandschaft um die Mündung des Flüsschens Vouga. Die IGP beschränkt sich auf Aveiro und etwa ein Dutzend weitere Gemeinden in diesem Gebiet. Hier wird seit jeher Mais angebaut und u.a. an die zahlreich gehaltenen Hühner verfüttert. Die hieraus resultierende Qualität und Farbintensität der Eidotter tragen zur Besonderheit der lokalen Eier-Süßigkeit bei.

In Konditoreien und Cafés werden die ovos moles meist in dekorativen Dessertgläsern oder flachen Tonschälchen zum Kaffee serviert.

Aveiro liegt an der Ria de Aveiro, einem verzweigten Mündungsgebiet. Knallbunt bemalte Häuser säumen die Kanäle, die den Ort durchziehen, und ebenso knallbunt bemalte Boote fahren Touristen durch die Lagune spazieren. Diese moliceiros, früher für die Tang-Ernte genutzt, sind in ihrer Form eine Mischung aus Kanu und venezianischer Gondel.

Wegen dieses Flairs wird Aveiro auch als Venedig Portugals bezeichnet.